Veränderungen

Können sich Menschen ändern? Und wenn ja, wie gelingt eine langfristige Veränderung? Diese beiden Fragen begegnen mir häufig, sowohl beruflich als auch privat.

Es gibt Menschen, die sind der festen Überzeugung, dass man sich nicht verändern kann. Das stimmt so nicht. Was an dieser Aussage stimmt ist, dass wir andere nicht verändern können. Eine Veränderung kann nur dann langfristig erfolgen, wenn man es selbst wirklich, wirklich will.

Der Wunsch nach einer Veränderung muss von Innen, von einem selbst kommen. Vermutlich kennt ihr alle die Beispiele, bei denen man grandios scheitert, weil der Wunsch nach einer Veränderung auf Grund von „man sollte“ oder „du musst“ kommt und nicht von einem selbst. Sei es in Bezug auf schlechte Angewohnheiten, Essensumstellungen oder Verhaltensweisen. Wenn ich versuche, ein Verhalten zu ändern, weil das von mir erwartet wird, ohne dass ich selbst es wirklich will, dann werde ich langfristig ziemlich sicher scheitern. Etliche unglückliche Ehen („ich kann ihn ändern“), Abnehmversuche („mein Arzt meinte, dass ich dringend Gewicht reduzieren sollte“), Rauchentwöhnungen („mein/e Partner/in mag nicht, wenn ich nach Zigaretten rieche“) usw. zeugen davon.

Aber warum ist das so? Warum funktioniert Veränderung auf Druck von außen selten? Nun eine wirkliche Veränderung erfordert sehr viel Willenskraft und Durchhaltevermögen.

Vielleicht kennt ihr das Bild der Straßen, die unser Gehirn baut. Wenn ich etwas über viele Jahre hinweg gemacht habe, dann gleicht dieser Ablauf in unserem Gehirn einer gut ausgebauten vierspurigen Autobahn. Unser Gehirn fährt quasi auf Autopilot bezüglich diesem Verhalten. Das ist bei Vorgängen wie Autofahren, Essen, Trinken, Schreiben etc. sehr nützlich. Damit sparen wir viel Energie. Stellt euch nur mal vor, wir müssten für jeden Text, den wir schreiben so viel überlegen wie damals, als wir anfingen, unsere ersten Buchstaben auf ein Blatt Papier zu kritzeln. Allerdings kommt uns diese Veranlagung unseres Gehirns zur Effektivität in dem Moment in die Quere, wenn wir ein Verhalten aktiv verändern wollen. Denn dann müssen wir erst einmal bewusst eine neue Straße bauen. Die gleicht dann eher erst einmal einem Feldweg und wir müssen lange Zeit bewusst die Autobahn ignorieren und diesen Feldweg beschreiten. Irgendwann wird dieser dann zu einer befestigten Straße, dann zu einer Landstraße und irgendwann ist auch daraus dann eine Autobahn geworden. Aber bis es soweit ist, benötigt es sehr viel eigene Motivation, Durchhaltevermögen und Willen. Und das alles können wir nur aufbringen, wenn wir selbst hinter unserem Vorhaben stehen und bereit sind, jeden Tag aufs Neue an uns und der von uns gewünschten Veränderung zu arbeiten, Rückschläge einzustecken und wieder neu anzufangen.

Und wie gelingt es nun, dass ich langfristig eine Veränderung schaffe? Gibt es Tricks dafür? Ja und Nein. Es gibt leider keine Tricks die einen Erfolg garantieren. Aber es gibt Dinge, die uns dabei unterstützen können, dass wir eher erfolgreich sein werden. Hier mal eine kleine Zusammenstellung.

Schreibe deine Ziele auf. Studien haben gezeigt, dass Menschen, die ihre Ziele aufschreiben, diese deutlich öfter erreichen als Leute, die ihre Ziele nur in Gedanken festhalten. Wichtig hierbei ist, dass du deine gewünschten Veränderungen so konkret wie Möglich und positiv formulierst. Also nicht „Ich will nicht mehr rauchen“ oder „ich will nicht mehr so viel Essen“, sondern „Ich bin Rauchfrei“ oder „ich habe x kg abgenommen“. Das hat zwei Gründe. Je konkreter du formulierst, desto besser kann dein Unterbewusstsein dich bei deiner Zielerreichung unterstützen. Und das zweite: unser Gehirn nimmt das Wort „nicht“ nicht wahr. Heißt wenn du aufschreibst „ich will nicht mehr so viel Schokolade essen“ speichert dein Gehirn lediglich „Schokolade essen“. Die Auswirkungen kannst du dir sicher selbst vorstellen …

Mache dir täglich deine Ziele bewusst. Heißt entweder liest du jeden Tag die oben aufgeschriebenen Ziele und Veränderungsabsichten durch oder, noch besser, schreibst sie jeden Tag neu auf.

Zerlege dein Ziel in erreichbare Schritte. Niemand ist sofort ein Meister und wenn du dir zu große Schritte vornimmst torpedierst du dich selbst. Niemand nimmt zum ersten Mal ein Instrument in die Hand und erwartet, dass er gleich ein Stück von Mozart oder Beethoven spielen kann. Zuerst muss man lernen, sein Instrument zu beherrschen bevor man sich technisch schwierigen Stücken zuwenden kann. Heißt wenn du beispielsweise mehr Sport machen willst, dann fange nicht gleich mit einem Marathon an, denn dann beweist du dir nur selbst, dass du das nicht schaffst. Mache lieber jeden Tag eine kleine Übung, nach und nach erhöhst du die Intensität und nach einem Jahr wirst du dich wundern, wie sportlich du geworden bist.

Suche dir Unterstützung. Das können Freunde sein, mit denen du dich beispielsweise regelmäßig zum Trainieren triffst oder die dich positiv bestärken auf deinem Weg und dich unterstützen. Oder suche dir einen Coach oder Mentor (die Chancen eines Mentors habe ich ausführlich schon in einem der letzten Beiträge beschrieben, daher werde ich hier nicht mehr näher darauf eingehen)

Kopple neue Gewohnheiten an alte Gewohnheiten. Bleiben wir bei dem Sport-Beispiel. Suche dir eine Gewohnheit aus, die du eh schon jeden Tag machst und kopple dann deinen Wunsch nach Veränderung mit einer konkreten kleinen neuen Gewohnheit daran. Du kannst beispielsweise damit anfangen, beim Zähneputzen (alte Gewohnheiten) Kniebeugen zu machen (neue Gewohnheit). Oder du schaltest die Kaffeemaschine oder den Wasserkocher an und bis die fertig sind machst du eine kleine sportliche Übung.

Feiere Erfolge. Belohne dich regelmäßig für deine Erfolge und dein Durchhalten selbst. Denn nur so kannst du langfristig deine Motivation aufrechterhalten, weiter an deinem Ziel zu arbeiten.

Und hier jetzt noch ein Spirit Concert-Spezial-Tipp:

Höre regelmäßig andere Musik. Wenn du sonst HipHiop hörst, dann höre zwischendurch mal Rock oder Metal oder Reggea. Warum? Ganz einfach: wissenschaftliche Studien haben herausgefunden, dass es das Gehirn jung hält, wenn wir ab und zu von unserem gewohnten Musikgeschmack abweichen und andere Musik anhören. Und wenn das Gehirn jung gehalten wird und parallel allein durch das Hören eines anderen Musikgenres darauf trainiert ist, sich auf Neues einzulassen, sind Veränderungen natürlich auch viel leichter umzusetzen. Ein Feldweg wird dann schneller zu einer Autobahn ausgebaut, weil unser Gehirn quasi die Bauarbeiter schon in den Startlöchern stehen hat und nicht erst einen Baugenehmigungsantrag einreichen muss und das ganze bürokratische Prozedere erst von Anfang an durchlaufen muss.

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